#Blogvent2020 – Eine Frage des Marketings

Frohe Weihnachten und willkommen zum letzten Tag des #Blogvent2020. Bei Lexa von Meergedanken, die das Event ins Leben gerufen hat und koordiniert, findet ihr die anderen Beiträge.

Und nun viel Spaß mit dem Weihnachtsmann.

Ich hatte ihn seit Jahren nicht gesehen und jetzt saß er in meinem Büro und bat um Hilfe. Er sah noch genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Seine Stiefel waren vielleicht ein wenig abgewetzt, aber das Rot seines Mantels leuchtete noch immer im sanften Sonnenlicht, das gerade durch mein Fenster fiel. Sein Bart war nicht länger geworden. Ob das daran lag, dass er nicht alterte, oder daran, dass er ihn sorgfältig pflegte, wusste ich nicht.

“Noch einmal von vorn”, bat ich. Es fiel mir schwer, die Situation zu begreifen. Nicht, weil die Worte kompliziert gewesen wären. Nicht einmal seine Lage selbst. Aber bis eben gerade hatte ich gedacht, dass es ihn gar nicht gab. Dass ich mir nur eingebildet hatte, ihn mal gesehen zu haben, als Kind.

“Ich brauche eine Unternehmensberaterin”, fing der Weihnachtsmann noch einmal von vorn an. “Wir haben zu hohe Ausgaben und zu geringe Einnahmen.”

“Ihr habt Einnahmen?” Das überraschte mich.

“Naja … “ Er druckste herum. “Schon. Wir haben uns gedacht, wenn wir eh schon die Anlagen haben, Spielzeug zu produzieren, könnten wir es auch einfach … verkaufen. Also, ein Geschenk pro Kind und den Rest müssen die Eltern schön im Laden erstehen …”

Ja, das klang einleuchtend.

“Andererseits langweilen sich die Rentiere das Jahr über. Wenn also Filmproduktionen welche brauchen, vermieten wir sie, damit sie sich mal wieder etwas die Beine vertreten können. Aber leider brauchen immer weniger Filme echte Tiere. Die bauen sowas jetzt einfach am Computer ein.”

Ich nickte nur. Wirklich eine Ahnung hatte ich davon nicht. Das war aber auch nicht mein Job. Rentiere waren normalerweise kein Teil der Unternehmen, die ich beriet. Erst recht nicht als Mitarbeiter*innen.

“Okay. Also, ihr verkauft zu wenig.”
Der Weihnachtmann nickte. “Und die Elfen kosten viel Lohn. Von den Rentieren ganz zu schweigen, die fressen einem die Haare vom Kopf.”

Ich rieb mir die Stirn. ”Baut ihr Essen selbst an?”

Er sah mich an, als wäre ich wahnsinnig geworden. “Wir wohnen am Nordpol.”

“Ja, aber ihr werdet doch wohl auch Gebäude haben. Und ich nehme an, wenn ein halbes Jahr lang die Sonne nicht scheint, braucht ihr auch Tageslichtlampen, um nicht depressiv zu werden, richtig? Wie wäre es denn mit Hochbeeten in den Hallen? Das hilft auch gleich dabei, stickige Luft etwas besser zu machen.”

Nachdenklich strich sich der Weihnachtsmann durch den Bart. “Das bringt aber vermutlich nicht genug Ersparnis, oder?”

Ich schaute mir die Unterlagen an, die er mir zusammengestellt hatte. Die Finanzen sahen wirklich nicht gut aus. Aber mir fiel noch etwas auf. “Ihr habt keinerlei Werbebudget?”

Ratlos schaute mich der Weihnachtsmann an.

“Wie wollt ihr denn Spielzeuge verkaufen, wenn ihr dafür keine Werbung macht? Wer soll denn so wissen, dass ihr existiert? Das geht heute schon sehr günstig. Auf Facebook und Instagram legt ihr einfach ein Profil an und stellt Beiträge ein. Das könnt ihr sogar kostenlos machen. Und wenn ihr eure Reichweite etwas erhöhen wollt, geht das schon ab einem Euro – oder was auch immer das in Nordpolwährung ist.”

Und so brach ich ein paar Tage später mit dem Weihnachtsmann zusammen in Richtung Nordpol auf. Ich machte mit den Elfen einen Workshop zum Thema Social Media. Da eh jede*r von ihnen ein Smartphone hatte, war das leichter als erwartet.

Und nun sitze ich hier. Das Video, wie der Weihnachtsmann selbst mit seinen Elfen spielt, mit Spielzeug der Firma Nordpol, ist viral gegangen und ich sehe mir die neuesten Zahlen an. Bald kann der Weihnachtsmann expandieren, wenn er will. Aber ich freue mich nicht etwa, weil ich meine vertraglich festgelegte Beraterinnenquote vom Gewinn bekomme. Nein, ich habe endlich das Gefühl, selbst mit dem – für mich – parasitärsten Beruf der Welt, dem einer Unternehmensberaterin, etwas Sinnvolles getan zu haben. Ich habe Weihnachten gerettet. Wer kann das schon sonst von sich behaupten?

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