#SchreibnachtAdventskalender – Winterwunsch

Im Autorenforum der Schreibnacht haben wir uns in diesem Jahr daran gemacht, einen Adventskalender zu erstellen. In den nächsten Tagen und Wochen werdet ihr teils auf Privatseiten, teils auf der Seite der Schreibnacht selbst (im Magazin) Kurzgeschichten und Gedichte rund um Winter, Weihnachten und alles drumherum finden.

Den Anfang darf ich machen, daher willkommen zu … wieder einmal meiner grumpigen guten Fee und diesmal einem Winterwunsch.

Die Fee seufzte leise. Seit das System mit nur zwei Wunschalternativen eingeführt worden war, war ihre Arbeit zwar leichter geworden. Es wurden nur Möglichkeiten ausgesucht, die leicht zu zaubern waren. Und die Möglichkeit vor kurzem – ein Tag im Weltall oder in die Zukunft reisen – hatte auch das Problem der Überbevölkerung gelöst.

Aber selbst sie vermisste die Hoffnung in den Augen der Menschen, wenn eine Fee ihnen anbot, einen Wunsch zu erfüllen.

Heute aber gab es endlich wieder die Möglichkeit. Dieses Mal war sie in einem Spinnenweb hängen geblieben. Und ein kleines Mädchen hatte sie befreit. Die schaute sich nun das schillernde Wesen in ihrer Hand an.

„Zum Dank erfülle ich dir einen von zwei Wünschen“, fing die Fee an, die einen der Finger des Mädchens näher an sich zog, um sich vor dem kalten Wind zu schützen. „Möchtest du lieber einen der Elfen des Weihnachtsmannes als Freund oder lieber einen lebenden Schneemann? Aber wähle gut.“

Das Mädchen überlegte. Papa hatte ihr mal in einem Streit gesagt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gäbe. Also konnte sie sich doch auch keinen Elfen des Weihnachtsmannes wünschen, oder? Außerdem, würde es ihn geben, würde er ja immer noch arbeitet. Und dann auch nie da sein. Wie Papa. Der kam auch immer erst spät abends nach Hause. Und obwohl er auf Arbeit ganz tolle Süßigkeiten herstellte, wollte er zuhause nie welche für sie machen.

Selbst wenn es ihn gäbe, würde der Elf also nur selten da sein und ihr dann nicht einmal auch Spielzeuge bauen. Nein, das war kein schöner Gedanke. Dann ging es ihr mit ihm ja genauso wie ohne ihn.

„Ich hätte gern den lebenden Schneemann. Muss ich den erst bauen?“

Sie schaute sich um. Es hatte über Nacht geschneit und der Schnee war unter ihren Stiefeln schön fest geworden, also wäre das sicher eine Möglichkeit.

„Das wäre von Vorteil“, sagte die Fee. „Sollte ich ihn für den Wunsch bauen, würde er vermutlich aussehen wie ein Werk von Picasso.“

Das kleine Mädchen wusste nicht, was ein Picasso war, aber es klang furchtbar. Also setzte es die Fee vorsichtig in eine windgeschützte Ecke und gab dem verfroren aussehenden Wesen ein unbenutztes Taschentuch als Decke. Dann ging es an die Arbeit.

Schon bald standen zwei Kugeln Schnee über einander. Arme aus Schnee wollten nicht gut halten, so dass das Mädchen schließlich Zweige nehmen musste. Kleine Steine bildeten den Mund und große Kastanien, die sie unter dem Schnee noch fand, die Augen. Da sie nicht reingehen wollte, um eine Möhre zu suchen, aus Angst, die Fee wäre dann fort, nutzte sie einen kleinen, dicken Zweig als Nase. Dann betrachtete sie ihr Werk glücklich. „Jetzt ist er bereit“, beschloss die Kleine.

Die Fee schwenkte den Zauberstab und verabschiedete sich dann. Hoffentlich musste ihr nicht noch einmal das Leben gerettet werden, bevor sie es endlich nach Hause ins Warme schaffte.

Das Mädchen aber betrachtete ihren Schneemann skeptisch. Wieso stand der noch so still?

Dann gähnte das weiße Wesen und reckte sich. Kastanienaugen rotierten in ihren Höhlen und das Helle richtete sich auf das Mädchen. „Oh. Hallo? Willst du mein Freund sein?“

Sie beide verlebten einen wunderbaren Winter. Doch als es wieder wärmer wurde, bemerkte das kleine Mädchen ihren Fehler. Sie hatte nicht bedacht, dass Schnee schmelzen konnte.

Schweren Herzens traf sie eine Entscheidung. Sie opferte ihren ganzen Vorrat an Speiseeis und räumte ihrem kalten Freund den Gefrierschrank leer.

Drei Jahreszeiten lang konnte sie nun durch die Tür mit ihrem besten Freund reden. Und im Winter, wenn er wieder herauskam, tollten sie wieder gemeinsam durch den Schnee.


Hier werde ich in den nächsten Tagen die weiteren Beiträge verlinken.

Tür Nummer 2: Junakas ‚Zeit der Besinnung‘ im Schreibnacht-Magazin

Tür Nummer 3: Azul Celestes ‚Advent‘ im Schreibnacht-Magazin

Tür Nummer 4: Lea Sager im eigenen Blog

Tür Nummer  5: (leider vakant) 

Tür Nummer 6: LMTL auf Fanfiktion.de 

Tür Nummer 7: Writing_is_life auf Fanfiktion.de 

Tür Nummer 8: Talismea im eigenen Blog

 

4 thoughts on “#SchreibnachtAdventskalender – Winterwunsch

  1. Eine wirklich zuckersüße Geschichte. So einen Schneemann hätte ich auch gerne!

  2. Liebe Britta,
    ein wunderschöner Auftakt für den Adventskalender. Mir gefällt besonders die Idee mit den zwei Wünschen zur Auswahl sehr gut – sehr ökonomisch, wenn auch sehr eingeschränkt und nicht mehr so magisch, wie die Fee ja auch merkt. Und die Überlegungen des Mädchens sind auch sehr realistisch, ein bisschen traurig. Schön, dass die Geschichte so ein positives Ende hat.
    Vielen Dank! 🙂

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