#WritingFriday – Schöne, neue Welt?

Es ist November. Herzlich willkommen zum NationalNovelWritingMonth. Okay, ich schreibe diesen Monat keinen Roman (höchstens nebenbei etwas), sondern schreibe die 50k Wörter in Kurzgeschichten und Co. Alleine schon um endlich ein paar Projekte abzubauen, die sich diesbezüglich angelagert haben. Der WritingFriday von  Read Books and Fall in Love passt da natürlich auch gut ins Konzept. So habe ich mehr als die nötige Tagesration an Wörtern zum Beispiel in das folgende Gedankenexperiment (meets SciFi) investiert. Und … ich find die Idee gar nicht so schlecht, wenn auch vermutlich nicht machbar.

Die Regeln im Überblick:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen November

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…“ beginnt.
  • Erzähle wie die Welt aussehen würde, wenn es überall nur noch eine Jahreszeit geben würde.
  • Du bist eine kleine Schneeflocke, plötzlich wird beschlossen, dass es keinen Winter mehr geben wird. Erzähle wie du dich fühlst.
  • Wenn du zwischen den Fähigkeiten „Fliegen“, „Durch die Zeit reisen“, „Gedanken lesen“ und „Zaubertränke herstellen“ wählen könntest, welche würdest du haben wollen und was würdest du damit anstellen?
  • Ein Schneemann erzählt aus seinem Leben.

 


Sie nannten es Frühherbst. Nicht, weil es an den frühen Herbst erinnerte, sondern, weil sie fanden, dass Frühling und Herbst sich doch sehr ähnlich waren.

Lange war diskutiert worden, welche Jahreszeit man auf Dauer aushalten konnte. Notwendig schien es, denn der Wechsel der Jahreszeiten sorgte immer wieder dafür, dass Leute krank wurden. Kranke Leute fielen aus, arbeiteten nicht, und auch, wenn die Pharmaindustrie daran verdiente, war der wirtschaftliche Schaden so größer als der Nutzen.

Der Winter fiel natürlich raus, denn da wuchs zu wenig. Das wäre zwar ein gutes Mittel gewesen, die Überbevölkerung zu reduzieren, die die Erde schon vor Jahrzehnten befallen hatte, aber davor hatten selbst die kühlsten, menschenfeindlichsten Politiker noch Skrupel. Arbeitslose beschimpfen, dass sie selbst Schuld an ihrer Lage tragen würden, wenn es doch längst nicht mehr genug Arbeitsplätze für alle gab, war das eine. Ebenso, wie die Lage noch damit zu befeuern, Firmen zu erlauben, nur auf Gewinn zu achten und dann Menschen rauszuschmeißen, wenn der Gewinn nicht stetig steigt und vielleicht mal nur 4,7 und keine 5 Milliarden beträgt. Ja, Arme leiden lassen war in Ordnung. Sie aber verhungern oder erfrieren zu lassen? Nein.

Dann gab es eine inoffizielle Umfrage bei der Weltbevölkerung. Natürlich sprach sich die Mehrheit für den Sommer aus. Untrennbar war dieser Begriff in den Köpfen mit Eis, Freizeit und Freude verbunden.

Doch ein Expertengremium warnte eindringlich. Die Schäden für die Landwirtschaft würden zu groß sein. Sommer brachte auch gerne Dürre mit sich. Waldbrände, die der Industrie auch noch Schaden verursachten. Den kleinen Einwand, dass im Sommer zwar einige Menschen Wohlbefinden verspürten, er für Kinder, Alte und chronisch Kranke aber auch gern einmal tödlich war, und dazu Millionen in der Bevölkerung unter Sonnenallergien und Kreislaufproblemen litten und dann vielleicht nie wieder arbeitsfähig werden würden, überhörte man gleich. Wen interessierte denn die Bevölkerung? Die Wirtschaft gab doch längst ausreichend Argumente, nicht den Sommer zu wählen.

Frühherbst sollte es also werden. Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad, manchmal sogar bis 20, wenn die Landwirtschaft das einforderte. Immerhin sprach man meteorologisch erst ab 25 Grad von einem Sommertag. Wer Kälte wollte, musste in die Berge. Und auch dort wurde es nie richtig eisig. Selbst hier war die Kälte nicht gewollt, sondern nur ein Produkt von dünner Luft und Höhe, das man nicht so ohne Weiteres verhindern konnte. Das aber hatte zumindest den Vorteil, dass die Modeindustrie keine Verluste durch die Umstellung hatte. Noch immer musste man für warme Tage anderes anziehen als für kalte.

Die Technik wurde entwickelt. Man war sich sicher, dass es möglich sein müsste, die Erde in einer einzigen Jahreszeit zu halten, doch es brauchte eine Weile, bis die Wissenschaftler einen Durchbruch erlangten.

Nun schoss man ab und an kleine Blitze in die Atmosphäre, um so die Bildung von Regen zu beschleunigen. Wind wenigstens kam von alleine, an ihm brauchte man nichts zu ändern.

Nur die Erde in einem einheitlichen Klima und trotz der Elipsenumlaufbahn um die Sonne und der Schrägstellung der Erdachse auch gleich warm zu halten, war nicht ganz leicht und brauchte erheblich mehr Forschung als vorher gedacht. Wissenschaftler arbeiteten rund um die Uhr daran. Die Sonnenhitze musste abgeleitet werden, bevor sie die Luft zu sehr auswärmte. Doch bald hatte man hier mit einem Netz von Satelliten und anderen Gerätschaften auch einen Durchbruch erzielt.

Dass man auf die Art die Sonnenenergie viel besser zu nutzen lernte als damals mit diesen kleinen Panels fiel ihnen erst nach einiger Zeit auf. Aber dadurch wurde ihre Arbeit leichter. Nun konnten sie völlig auf fossile Brennstoffe verzichten, was endlich die weitere Klimaerwärmung verhinderte und damit ihre Arbeit endlich etwas erleichterte.

Regen, Stürme und die genaue Temperatur hingegen waren schwer zu kontrollieren. Vor allem, weil man auch Regen und Sturm manchmal brauchte. Beschwerten sich die Bürger noch, dass oft lange Zeit nur Wolken am Himmel hingen, ein eisiger Wind blies, beteten die Bauern, dass es doch endlich auch regnen würde, um die Felder zu bewässern.

Insgesamt aber waren die Menschen zufriedener.

Natürlich hatte es Veränderungen gegeben.

Als Erstes waren die Polkappen abgetragen worden. Keiner wollte riskieren, dass der Meeresspiegel zu weit ansteigen würde, also hatte man das Eis regelrecht eingesammelt. Das Süßwasser wurde in die Wüsten der Welt gebracht, um diese schnell wieder feucht und fruchtbar zu machen. Salzwassereis hingegen war teilweise ins Meer geschmolzen, teils aber entsalzt und gefoltert worden, um neues Trinkwasser zu gewinnen. Nur eine kleine Fläche, innerhalb einer schwimmenden Glaskuppel, war mit einer Klimaanlage versehen worden, um hier über Pinguin, Robbe und Eisbär all die Tiere zu beherbergen, die die Kälte brauchten und schätzten. Niemand wusste, wie lange es gut gehen würde, aber private Investoren und grüne Aktivisten hatten sich geweigert, das Artensterben mit anzusehen.

Und dann waren da noch die exotischen Früchte. Sie waren deutlich teurer, beinahe unerschwinglich geworden. Denn auch sie wuchsen nur noch in künstlichen Biotopen, die zum Artenschutz errichtet worden. Nur die mutigsten Bauern trauten sich da hinein, lebten hier doch jetzt Schlangen, Spinnen und alles andere gefährliche Getier auf weit engerem Raum als früher. Und da auch manche Arten die Früchte fraßen und sie eh schon nicht mehr in großen Plantagen, sondern nur noch auf einzelnen Bäumen wuchsen, gab es pro Wuchssaison nur eine Hand voll von ihnen zu kaufen. Sie wurden schnell teurer als Gold.

Generell hatte sich die Landwirtschaft gewandelt. Nachdem nun viele einst zu kalte oder zu heiße, trockene Flächen für den Anbau erschlossen worden waren, herrschte kein Nahrungsmangel mehr. Da die Felder nun aber auch keinen Winter mehr zum Ruhen hatten, musste ein Umdenken her. Zuerst baute man städtische Komposte überall. Kompostierbaren Biomüll anderweitig zu entsorgen – außer im eigenen Kompost – wurde nun strafbar, konnte man daraus doch neue, gute und fruchtbare Erde gewinnen.

Außerdem wurde die Drei-Felder-Wirtschaft wieder eingeführt, auch wenn nun die Wachstumsperiode nicht auf ein Jahr berechnet wurde. Nun konnte man zweimal im Jahr ernten und musste auch entsprechend so planen.

Und durch das Überangebot an Anbauflächen gab es bald noch weitere Veränderungen. Nicht nur hatte man wieder die Möglichkeit, eine Wachstumszeit lang Blumen anzubauen, die dem Boden wieder Nährstoffe, vor allem Stickstoff, zuführten. Einige Flächen wurden so auch teilweise wieder an den nahen Wald abgetreten, damit sich dieser nach Jahrhunderten des Raubbaus etwas erholen konnte. Natürlich nicht aus reiner Güte, man plante schon, hier hin und wieder Holz zu schlagen, aber den Tieren sollte das egal sein. Mehr Lebensraum war allemal gut, selbst wenn man ihn ab und an mit dem Mensch teilen musste.

Auch den Nutztieren ging es besser. Nun standen viel mehr Weiden zur Verfügung. Und da es keinen Winter mehr gab, konnten auch empfindlichere Rassen das ganze Jahr über draußen bleiben. Sie konnten sich endlich bewegen und wurden nicht mehr eingepfercht. Die Milch wurde gesünder, da die frische Ernährung der Kühe sich auf sie auswirkte. Und auch das Fleisch wurde besser, da Muskeln bei Bewegung wie von alleine wuchsen, aber nun auch besser mit Fett durchsetzt waren, als es in simpler Mast je möglich gewesen wäre. Und endlich merkten die Menschen, dass altes Fleisch gar nicht zäh sein muss, wenn die Tiere fit und glücklich sind. Und durch die vielen Weiden war es nicht mehr so teuer, sie lange zu versorgen. Nun wurden nur doch alte Tiere geschlachtet, nach langen, erfüllten Leben. Die höhere Qualität wiederum machte die Menschen gesünder.

Die größte Änderung aber fand wohl in der ehemaligen Permafrost-Region statt. Taute hier früher die oberste Schicht zu mehreren Metern Schlamm auf, so dass die Menschen in der Zeit von der Umgebung angeschnitten waren, entstand nun auch hier normales Land. Und endlich war Platz da, um die Überbevölkerung etwas besser zu ertragen. Hatten in Gebieten wie Sibirien früher oft nur Leute gewohnt, die mühsam die reichlich vorhandenen, aber schwer erreichbaren Bodenschätze abbauten, die darauf angewiesen waren, dass der Boden im Winter zufror, damit LKWs sie wieder mit Lebensmittelvorräten beliefern konnten, entstanden hier nun Städte und Infrastruktur wie sonst nur in den reichsten Ländern der Welt. Endlich konnten die Leute selbst für ihr Essen sorgen. Und auch die Bodenschätze waren nun leichter abzubauen, so dass der Wohlstand für sie alle wuchs.

Selbst die Wissenschaft fand Vorteile. Nun, da der Dschungel nicht mehr so dicht wuchs, weil die Pflanzen Mühe mit der Umstellung hatten, fanden sie viele verschollene Tempel und Städte sowohl der Maya und Inkas, als auch der Hochkulturen des asiatischen Urwalds. Überall fanden sich nun archäologische Schätze von unfassbarem Wert, so dass die Menschheit mehr und mehr über sich selbst und ihre Vergangenheit lernte.

Überall auf dem Planeten wurde das Leben der Menschen so verbessert. Durch mehr Arbeit auf dem Feld, durch die neue entstehenden Städte, aber auch durch die größeren Wälder, die nun auch gehegt und gepflegt werden mussten, entstanden wieder Arbeitsplätze. Durch die neuen Städte wurde auch die Wohnungsnot beinahe ausgelöscht.

Die einzigen Verlierer waren die Pflanzen und Tiere. Viele von ihnen schafften es nach einigen Jahren, sich an die neue Zeit anzupassen. Denjenigen ging es jetzt, wo sie nicht mehr im Winter erfrieren oder verhungern, im Sommer verdursten mussten, deutlich besser. Aber die Spezialisten unter Tier und Pflanze, die an ganz bestimmte Bedingungen angepasst waren und diese nun nicht mehr vorfanden, wirkten schnell kränklich.

Viele Arten wurden, wie der Eisbär bereits ganz am Anfang der Umstellung, von reichen Privatinvestoren gerettet. Je nützlicher ein Tier, desto größer sogar die Wahrscheinlichkeit, dass Regierungen Steuergelder für die Erhaltung freigaben.

Doch für einige Arten kamen auch die schnell erstellten Biotope zu spät. Wieder andere konnten nur durch Kreuzungen mit robusteren Verwandten vor dem Aussterben bewahrt werden.

Die Erde veränderte sich. Insgesamt war man sich einig, dass das Leben nun besser war. Hunger und Armut waren vergessen, die Natur war, obwohl in ihrer Vielfalt eingeschränkter, lebendiger als je zuvor, Umweltverpestung und Klimawandel waren gestoppt und keiner musste mehr erfrieren oder verdursten.

Ja, die Menschen waren zufrieden.

Sie merkten nicht, dass sie damit Aufmerksamkeit erweckten.

Als die Erde noch ein von Abgasen verpesterer Planet war, dessen Natur im Sterben lag, und dessen verbliebene Bodenschätze beinahe unerreichbar erschienen, hatte sich niemand für diesen hässlichen blau-grünen Brocken interessiert. Zu hohe Investitionen wären nötig gewesen, um diesen Planeten erst einmal wieder dazu zu bringen, sich nicht selbst zu zerstören. Die immer höhere Oberflächentemperatur hatte in den Boden ausgestrahlt und die Bildung neuer Vulkane zu wahrscheinlich gemacht. Nein, hier hätte sich weder eine schleichende, noch eine schnelle, blutige Invasion gelohnt.

Doch nun? Nun sah man selbst aus dem All, dass der Planet sich gefangen hatte. Nun konnte man sich durchaus vorstellen, die Erde mal einzunehmen.

Nein, die Erde hatte nicht geahnt, dass diese kleine Veränderung so viel Trubel hervorrufen würde. Dass es nun Kriege um sie gab, die sie nicht einmal mitbekam. Dass Allianzen überlegten, die Erde unter Schutz zu stellen und als Mitglied zu gewinnen, Piraten aber versuchten, zu ihr durch zu dringen und sie für sich zu beanspruchen.

Welche Seite auch immer gewann, das neue Klima würde bald noch weitere Veränderungen für die Menschen mit sich bringen. Nur, ob diese gut oder schlecht waren, das ließ sich nicht absehen. Wie auch, wenn man nicht einmal merkte, dass man nicht alleine im Universum war?

One thought on “#WritingFriday – Schöne, neue Welt?

  1. Hey Britta,
    der Twist war absolut nicht vorhersagbar. Toll. Ich finde es auch super, wie du alles erst wissenschaftlich aufziehst und dann doch kritisch hinterfragst. Hat ein wenig was von Star Trek.
    Grüße, Katharina
    von http://www.kathakritzelt.com

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