#WritingFriday – Blick in die Welt

Für den  WritingFriday von Read Books and Fall in Love schaue ich heute mit euch aus meinem Fenster.

Die Regeln im Überblick;

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen September

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als…“ beginnt.
  • Schreibe aus der Sicht deines Haustiers. (Wenn du keines hast, erfinde eine Geschichte dazu.)
  • Du irrst nun schon seit mehreren Tagen durch den Dschungel, als du plötzlich …(Platz für eigene Idee)… siehst.
  • Setze deine Zahnbürste ins Rampenlicht!
  • Blicke aus dem Fenster – was siehst du? Beschreibe dies so genau wie möglich.

 

Direkt hinter meinem Laptop ist ein großes Fenster. Eigentlich besteht die ganze Wand nur aus Fensterfront und Balkontür. Und doch ist beides meist verhangen. Einerseits durch alte Gardinen, die nur dem Schutz vor neugierigen Blicken der Nachbarn dienen, seit Jahren nicht gewaschen und langsam an den Stellen, wo sie das Gießwasser der Zimmerpflanzen abbekommen, vergilbt. Andererseits ziehe ich auch oft den Vorhang zu. Um mich von Reizen abzuschotten.

Von Vögeln, die vorbeiflattern und deren Schatten mich kurz innehalten lässt. Von der grellen Sonne, die das arbeiten am Laptop noch anstrengender macht.

An Tagen wie heute, wenn der Himmel durch die Vorhangritzen grau hindurchschimmert, wirkt der Blick aus meinem Fenster trostlos. Fahles Zwielicht macht sich dann hier breit, und das, obwohl meine Vorhänge gelb sind. Sonnig. Farben sollen doch angeblich auch Einfluss aufs Empfinden haben. Andererseits habe ich das nur bei Schloss Einstein gelernt, vielleicht ist das nur Fiktion.

Meist reizt die Welt dahinter mich nicht.

Dabei bietet sie so viel. Denn geht, dank des Balkons, nicht nur in den Süden hinaus. Auch den Westen und den Osten kann ich noch sehen. Ich habe so fast den ganzen Tag Licht, kann die ersten bunten Wolken des Tages sehen, aber auch die apokalyptischen Sonnenuntergänge, die ich ab und an gern sehe, wenn ich in der Gemütsverfassung dafür bin.

Und obwohl ein Großteil meines Blickfelds von Häusern und Himmel eingenommen wird, kann ich doch auch den Garten der Nachbarn links und rechts sehen.

Ein riesiger Kirschbaum, der schon seit Jahren nicht mehr seine Besitzer, sondern nur die Stare füttert, steht links. Größer als in einer Wohnsiedlung erlaubt, doch stört das keinen.  Um ihn herum erstreckt sich weiter Rasen, der von Vögeln, Nachbarskatzen und früher auch von mir druchkreuzt wurde, wann immer ich beim Spielen wieder einen Ball dorthin warf oder schoss. Hinzu kommen viele kleine Büsche, die Schutz für Vogelnester, Igel und anderes Getier bieten. Einige sogar immergrün. Wenn man genau hinschaut, kann man hier also in all der Trostlosigkeit des kalten Graus auch Leben sehen.

Rechts hingegen ist ein kleiner, gepflegter Garten, der nur noch selten mehr sieht als Spatzen. Einst lebte hier ein frecher Kater, doch der ist schon lange unter der Erde, genau wie sein brummelnder Besitzer. Nur das Frauchen ist noch da. Hatte hier zeitweise sogar einen Katzenschreck eingebaut. Ein Gerät, dass Katzen – und mich – durch den unangenehm hohen Ton vertreibt. Angeblich fügt er den Tieren keinen Schmerz zu. Wenn ich von mir auf Katzen schließen sollte, ist das aber eine Lüge.

Nun ist der Garten lärmfrei. Aber wirkt dennoch seltsam steril. Dabei sind auch hier Blumen und Büsche neben dem gepflegten Rasen zu sehen. Dennoch. Wer Leben sehen will, schaut lieber nach links.

Geradeaus schließlich wird der Blick vor allem von einer Häuserfront eingenommen. Drei Reihenhäuser mit kleinen Vorgärten. Der Teil des Ausblicks ist mir verhasst, obwohl er an manchen Tagen ein guter Zeitvertreib ist.

Hier finden sich menschliche Abgründe. Denn wer hier hinausschaut, sieht nicht nur. Er kommt auch nicht umhin, zu hören.

Sei es da die Angewohnheit von Nachbar 1, alles, was er macht, möglichst laut zu tun. Es scheint, als wäre das in seiner Generation normal, sehe ich das doch auch bei einem Mitglied einer Familie. Wenn ein Mann im Ruhestand arbeitet, ob im Garten, im Haus, oder an Maschinen, scheint er das  – unbewusst, hoffe ich – extra laut zu tun, damit auch jeder mitbekommt, dass er immer noch ein produktives Mitglied der Gesellschaft ist. Dass er nicht nur auf der faulen Haut liegt.

Leider übersieht der Nachbar dabei gern die Ruhezeiten. Und, dass sein Mülltonnendeckel wie ein Schuss oder eine Explosion klingt. Immer wieder erschreckt er einen so, sorgt für kurze Momente der Panik und starken Schmerzen im Herz, weil zu viel Blut, zu viel Adrenalin zu schnell gepumpt werden will.

Ein Haus weiter sieht man oft eine Katze neugierig am Fenster sitzen. Sie darf nie raus, weshalb sie sich oft mit dem Hund im Haus zu streiten scheint. Stundenlang kann sie mich unbewegt anstarren.

Und das Haus ganz rechts ist mein persönlicher Albtraum. Bedrohlich wirkende junge Männer mit lauten, schnellen, überteuerten Autos, die sie immer auf dem ohnehin schon zu schmalen Fußweg parken. Nur einem davon gehört das Haus, die anderen scheinen aber fast immer da zu sein. Auch ihnen sind Ruhezeiten egal. Rücksicht kennen sie nicht. Schwere Maschinen werden auch sonntags genutzt, und es gibt immer etwas zu bauen, zu motorisieren, …  Und wenn sie mal nicht die Nachbarschaft mit Maschinen terrorisieren können, müssen sie sich lauthals streiten, machen dafür, wenn sie es mal nicht draußen tun, sogar extra die Fenster auf, damit auch jeder mithören kann.

Das haben die drei Häuser vor meinem Fenster gemein. Ich kenne die Abgründe all dieser Leute. Ich weiß, welcher Mann kürzlich mit seiner Ex unterwegs war. Ich weiß, wer seine Frau in der Öffentlichkeit bloßstellt und sich deshalb ab und an selbst etwas zu essen kochen muss. Ich weiß, wer wen unterdrückt.

Ich will das nicht wissen.

Und deswegen bevorzuge ich meinen Vorhang. Meine vergilbte Gardine. Sie schotten mich von diesen Menschen ab, die mir so nah sind, und doch so fremd. Die alle laut sind. Die keine Rücksicht zeigen.

Denn bei meinem Fenster heißt sehen auch hören. Und die Menschen übertönen die Vögel und Katzen. Die Igel. Sie zeigen tristen Alltag aus Lärm und Streit. Jeder in seiner eigenen Welt.

Und vielleicht denken sie von mir genauso? Vielleicht hören sie auch mich zu laut, so sehr ich mich auch bemühe, leise zu sein? Ich weiß es nicht. Aber ich bin froh um diese durchsichtige Barriere zwischen uns. Und sie vermutlich auch.

2 thoughts on “#WritingFriday – Blick in die Welt

  1. Hey Britta,
    dein Text gefällt mir wirklich gut. Ein sehr detaillierter und persönlicher Blick.
    Grüße, Katharina
    von kathakritzelt.com

  2. Hallo! Toll was du aus der Schreibaufgabe gemacht hast! Ich habe auch einen Vorhang und bin froh darum 😀

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